75 Jahre TuS Südhemmern

Lebensmittelrationierungen, Mangelwirtschaft, drei gesprengte Brücken und ein Sportplatz, der sich mit Schweinen geteilt werden musste – 1945 waren die Bedingungen, einen Sportverein in Südhemmern zu gründen, denkbar schlecht. 36 junge Männer hat das nicht davon abgehalten, am 8. August 1945 den Turn- und Sportverein Südhemmern e.V. ins Leben zu rufen. „Mit unseren gerade einmal 75 Jahren sind wir ein recht junger Sportverein. In unserem Fall ist das ein Glück, denn wir haben noch zwei Gründungsmitglieder dabei“, sagt Walter Tiemann, 1. Vorsitzender des Vereins. Friedel Niemeyer und Wilhelm Riechmann, zwei der 36 Männer, die den Verein gründeten, sind dem TuS noch immer eng verbunden.

Zunächst ist für die Männer des neu gegründeten Vereins der Fußball der Sport der Wahl gewesen. Die Südhemmer Frauen waren ihrer Zeit voraus, was den Sport in der Gemeinde Hille betraf. Im April 1946 wurde die Damen-Handball-Abteilung gegründet, die bereits nach kurzer Zeit tonangebend im Damenhandball im Kreisgebiet war. Erst ein Jahr später gab es dann auch bei den Männern ein Einsehen. Nachdem sich die umliegenden Vereine auf den Handball fokussierten, zogen auch die Männer des TuS Südhemmern nach und nahmen Ball dann doch lieber in die Hände. Dass dies zunächst eine gute Entscheidung war, zeigt sich an den vielen Erfolgen, die der TuS feiern konnte. Der TuS Südhemmern hat sich im Laufe der Jahre als ernstzunehmender Gegner im Großfeldhandball und später im Hallenhandball etabliert. Besonders in Erinnerung geblieben ist vielen Vereinsmitgliedern und Freunden des Vereins sicherlich das Jahr 1988. Die I. Herren-Mannschaft mit Trainer Günter Mönkhoff gewinnt zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte den Kreispokal. Mit 26:19 Toren wird der Pokalverteidiger HV Espelkamp deutlich geschlagen.

Einige Jahre später, 1997, ist der Verein mit dem Aufstieg der 1. Mannschaft in die Bezirksliga, auf seinem sportlichen Höhepunkt angelangt. Schon lange Zeit peilte die erste Mannschaft den Aufstieg in die Bezirksliga an. 1980 gelingt es dem TuS durch einen 18:16 Erfolg beim Tabellenführer TuS Friedewalde mit dem Spitzenreiter gleichzuziehen. Zum Ende der Saison reicht es für das Team um Trainer Helmut Hoppmann zwar nur für die Vizemeisterschaft, dennoch zählt die Spielzeit 1979/80 zu einer der erfolgreichsten in der Vereinsgeschichte. Den Aufstieg schafft die 1. Mannschaft aber erst siebzehn Jahre später. Von Trainer Detlef „Pickel“ Meyer gab es in dieser Spielzeit klare Vorgaben zur Spielvorbereitung: „Früh ins Bett, am Spieltag ein leichtes Frühstück, ein kurzer Spaziergang - so sollten sich die Jungs auf Spiel vorbereiten“, erinnert sich Meyer zurück. In der Realität habe das Ganze jedoch anders ausgesehen. „6 Uhr morgens aus dem Lindenhof zu Hause, erstmal das Auto suchen, zum Frühstück den für das Mittagessen vorgesehenen Braten essen, Jens ruft Frank an, um zu fragen, wo und wann gespielt wird ,und schließlich mit einer leichten Verspätung in der Halle erscheinen“, so erinnert sich Keeper Frank „Katze“ Küchhold an die Saison zurück. Trotz dieser unkonventionellen Spielvorbereitung ist es am 27. April 1997 dann der TuS aus Südhemmern, der nach einem 22:15 gegen Rothenuffeln II als Kreismeister feststeht. Mit Planwagen geht es nach Südhemmern wo erst bei Gerhard „Gento“ Küchhold am Mittellandkanal die TuS Südhemmern-Fahne gehisst und anschließend im "Dorfkrug" bis in die frühen Morgenstunden gefeiert wurde.

Den zweiten Aufstieg in die Bezirksliga feierte der Verein 2005 unter der Leitung von Volker Fiestelmann und Co-Trainer Helmut Hoppmann. Vor rund 500 Zuschauen in der Sporthalle Lübbecke konnten sich die Südhemmeraner am letzten Spieltag knapp gegen die Gastgeber aus Gehlenbeck durchsetzen.

Der Aufstieg 2005 sollte aber der letzte handballerische Höhepunkt im Seniorenbereich in der Vereinsgeschichte werden – es folgten turbulente Jahre. Der Abstieg in die Kreisliga, kaum Zuschauer, kaum Nachwuchs aus der Jugendspielgemeinschaft, ein Eintritt in die HSG NSM und nur zwei Jahre später der Austritt aus der HSG NSM – diese Entwicklungen sorgten schließlich für das Ende des Handballsports im Seniorenbereich. „Uns allen ist die Schließung unserer Handballabteilung schwer gefallen, trotzdem war es die richtige Entscheidung. Die Mitgliedschaft in der HSG hat den Verein gespalten“, sagt Vorsitzender Walter Tiemann heute.

Im Handball-Jugendbereich lief es hingegen besser. Im Frühjahr 1991 wird zusammen mit den Nachbarvereinen TVG Nordhemmern und RSV Mindenerwald eine Jugendspielgemeinschaft gegründet. Aktuell sind über 50 Kinder aus Südhemmern in der JSG aktiv „Wenn alle für den TuS Südhemmern spielen würden und früher schon gespielt hätten, die aus Südhemmern kommen, müssten wir uns über den Seniorenhandball heute keine Gedanken machen“, sagt Walter Tiemann mit einem Augenzwinkern.

Nichtsdestotrotz seien die Entwicklungen der vergangenen Jahre sehr positiv. „Ein kontinuierlicher Mitgliederzuwachs, stabile Finanzen, gut besuchte Veranstaltungen, ein immer größer werdendes Breitensportangebot, viele Helfer, die immer zur Stelle sind, wenn es personell mal eng wird – wir können uns wirklich nicht beschweren“, sagt Kevin Nobbe, seit diesem Jahr zweiter Vorsitzender des Vereins. Für viele Mitglieder sei der TuS Südhemmern inzwischen eine Herzensangelegenheit. Dies lasse den Verein optimistisch in die Zukunft blicken.

Das gesellschaftliche Leben stehe dabei nach wie vor im Mittelpunkt. Dreh- und Angelpunkt des Vereinstreibens: das Vereinsheim. 2003 gebaut, ist das Zuhause des Vereins heute zu einem festen Treffpunkt geworden. Dort wird gesungen, gekocht, gefeiert, Fußball geschaut, Darts und Skat gespielt und hin und wieder spielen sich seltsame Szenen ab, wenn die alljährliche Probe-Verkostung des TuS-Rumtopf, nach Art des TuS-Kochclub „Keine Angst vor Gewürzen“, ansteht.

 „Kreativ, kreativer, TuS Südhemmern“ – schrieb vor gar nicht allzu langer Zeit das MT über den Südhemmer Verein. Der Kochclub war in den Fokus der Aufmerksamkeit geraten. „Dass daraus gleich ein so netter Kommentar auf Seite zwei entsteht, hat keiner geahnt. Vor zehn Jahren wäre es noch undenkbar gewesen, dass es der TuS nicht mit dem Handball in die Zeitung schafft, sondern mit einem Wildschweinbraten mit Klößen“, sagt Tiemann. Nicht im Trikot sind die Männer abgelichtet worden, sondern in Schürze. Der Verein habe sich verändert, genau wie seine Mitglieder. „Ein bisschen verrückt sind die TuS-Südhemmeraner schon, das lässt sich wohl nicht ganz leugnen. So wird es aber wenigstens nicht langweilig“, sagt Tiemann.


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